Die Wirtschaft befindet sich in einem ständigen Wandel. Dabei können die meisten ökonomischen Phänomene weder als inhärent gut noch schlecht eingeordnet werden, da die positiven Veränderungen sich oftmals selbst unterminieren oder zu negativen Veränderungen in anderen Teilen der Welt führen.

Jede Branche ist verschiedenen wirtschaftlichen Strömungen unterworfen. Einige davon sind konstant, zyklisch, mit positiven kurzfristigen Effekten und negativen langfristigen Effekten, umgekehrt oder viele Kombinationen davon.

In jedem Sektor gibt es Unternehmen, die förmlich durch diese Schwankungen segeln und grossartige Ergebnisse liefern, selbst wenn die gesamte Branche sich mit einem erheblichen Abschwung konfrontiert sieht. Gute Beispiele hierfür sind die Hersteller von Grossrechnern, die rasch den Umstieg auf das PC-Geschäft geschafft haben; Hedge Funds, die die Portfoliostrategie der Risikoparität entwickelt und damit während der Finanzkrise im Jahr 2008 stabile Renditen erzielt haben; Hotels, die während der COVID-Pandemie begonnen haben, Quarantäne-Dienstleistungen anzubieten; Öl-Firmen, die den Umstieg auf saubere Energiequellen antizipiert und in grüne Technologien investiert haben.

Wir versuchen unser Bestes, diejenigen Faktoren zu verstehen, die unsere eigene Branche, das Gastgewerbe, betreffen. Denn wir betrachten unser Unternehmen nicht nur als Hotel sondern als eine Investition von Kapital, das grösstenteils von uns und von privaten Investoren stammt. Dieses Kapital soll dort eingesetzt werden, wo es am effizientesten genutzt werden kann. Wir beobachten die aktuellen Trends daher sehr genau und antizipieren potenzielle Veränderungen in der Branche, um davon profitieren zu können.

Dabei erachten wir diejenigen Erkenntnisse, die der meistverbreiteten Ansicht widersprechen, als am wertvollsten. Früher oder später werden diejenigen, die die meistverbreitete Ansicht vertreten, gezwungen werden, der Realität ins Auge zu blicken. Diejenigen aber, die als erste realistische Ansichten vertreten, werden am stärksten profitieren.

Faktoren, die die Zukunft des Gastgewerbes beeinflussen

Wir können diese Faktoren in folgende vier Gruppen aufteilen:

  • Politische Veränderungen
  • Demographische Veränderungen
  • Post-COVID-Politik und Mentalitätswandel
  • Globale wirtschaftliche Veränderungen

Die momentanen Entwicklungen in jedem dieser Bereiche sind weder eindeutig positiv noch negativ für die Branche; sie wirken sich auf verschiedene Segmente unterschiedlich aus.

Die neue Generation bevorzugt Brands deren Werte mit den ihren übereinstimmen und gibt Erfahrungen den Vorzug gegenüber Materiellem

Naturgemäss kommen jedes Jahr neue Kohorten junger Reisender auf diesen Markt. Mit der Zeit ändern sich einige ihre Präferenzen, da die finanzielle Situation der meisten Menschen dazu tendiert, sich mit zunehmendem Alter zu verbessern, während andere Präferenzen gleich bleiben.

Eine auffällige Eigenschaft der Millennials und bis zu einem gewissen Grad auch der Gen-Z-Reisenden ist, dass sie weniger Wert auf das Hotel legen, weniger Zeit darin verbringen und es stattdessen bevorzugen, die Stadt und die lokale Kultur zu erkunden. Dies definiert Luxus neu und schmälert den Nutzen vieler traditioneller Annehmlichkeiten, die Hotels zu bieten haben. Eine Stadt hat meist bessere Restaurants und Spas zu bieten als es ein Hotel je könnte. Daher ist, unserer Meinung nach, die neue Definition von Luxus, den Reisenden dabei zu helfen, die Stadt zu erkunden, soziale Kontakte zu knüpfen und den ganzen Prozess zu vereinfachen; quasi eine Art Siri für die Offline-Welt.

Was das Branding anbelangt, bevorzugt es die jüngere Generation, Marken zu kaufen, die ihren Werten entsprechen, seien es die Werte des Veganismus, der Nachhaltigkeit oder der Entrepreneurship. Grundsätzlich würden Millennials also eher in einem Hotel übernachten, in dem bereits Elon Musk übernachtet hat oder das von Richard Branson empfohlen wurde, als ein Hotel zu buchen, das einem Ölmagnaten gehört. Die mit Prestige und Grossspurigkeit assoziierten grossen Hotelketten werden in einer Welt, wo die Sharing Economy und der verantwortungsbewusste Konsum immer wichtiger werden, obsolet.

Die Fusion von Gastgewerbe und Wohnimmobilien

Ein weiterer beachtenswerter Trend geht auf die wachsende Anzahl Menschen zurück, die sogenannte “Workcations” oder Langzeitreisen machen, während denen sie aus der Ferne arbeiten. Typische Hotels sind weit davon entfernt, für das Arbeiten geeignet zu sein; keine garantierte Internetverbindung, Möbel und Räumlichkeiten, die nicht für das Arbeiten gedacht sind, Zimmer und Annehmlichkeiten, die nicht für längere Aufenthalte geeignet sind und so weiter. In einem Hotel zu leben, ist daher das Gegenteil von sich zuhause fühlen und dies stellt eine grosse Chance für die Innovatoren dar.

Als Konsequenz der Pandemie boomt das Homeoffice bzw. Remote Work. Allerdings nehmen sich Remote Worker nicht als eigenes Segment mit spezifischen Präferenzen wahr und genauso wenig tun das die Hoteliers. Sobald Hotelmanager damit beginnen, Hotels zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse dieses Kundensegments zugeschnitten sind, und die Marketingexperten den Bedürfnissen dieser Kunden eine Stimme geben, wird ein unumkehrbarer und sich selbst verstärkender Prozess in Gang gesetzt, in dem das Angebot die Nachfrage verstärkt. Daher erwarten wir eine stark zunehmende Investitionsaktivität und ein grosses Marktwachstum in diesem Bereich.

Politische Veränderungen führen Touristen hin zu sichereren Ländern

Die Schere zwischen Arm und Reich ist momentan grösser als in den frühen 1930er Jahren. Mit all den Konsequenzen, die das nach sich zieht, erwarten wir eine von Konflikten geprägte Dekade, wobei diese wahrscheinlich frühestens im nächsten Jahrzehnt gelöst werden. Die Spannungen steigen auch sowohl innerhalb als zwischen den zwei einflussreichsten Ländern der Welt, nämlich in bzw. zwischen China und den USA. Letztere scheinen Teil dieses Problems zu sein, da sie sich zunehmend auf interne Probleme fokussieren und sich weniger für die globale Gerechtigkeit einsetzen. So tragen die USA massgeblich zu einem Machtvakuum bei.

Ein Machtvakuum führt häufig zu Konflikten politischer, wirtschaftlicher oder militärischer Natur, in denen eine neue Hierarchie aufgebaut wird. Dies führt zu einer massiven Vermögensvernichtung und einem Rückgang der Sicherheit. Diejenigen Destinationen, die bis anhin als “genügend sicher” galten, werden dann bald als “nicht sicher genug” gelten, wie auch immer “genug” definiert wird.

Das bedeutet, dass Gesellschaften bzw. Destinationen mit stabilen Sozialstrukturen, starker und unabhängiger Wirtschaft, transparentem Justizsystem und starken Polizei- und Militärkräften mehr Besucher anlocken werden als weniger stabile Länder.

Wir erwarten daher, dass sich diese Entwicklungen negativ auf Länder mit internen Spannungen, wie beispielsweise die USA, auswirken werden. Aber auch Regionen, die von starken internationalen Spannungen betroffen sind, wie beispielsweise Länder im fernen oder mittleren Osten, werden betroffen sein. Diese Länder würden bei einem Rückgang ihrer US-Dollar-Positionen deutlich leiden, da grosse Teile ihrer Staatseinnahmen, ihre Schulden und die Staatsreserven in Dollar notieren.

 

Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden überwachen am 20. Januar 2021 von einem Balkon in Washington, D.C. Susan Walsh / AFP / Getty

Länder und Regionen, die von diesem Wandel profitieren werden, sind die EU, die an ihr angrenzende Schweiz und Norwegen. Diese Liste kann noch mit dem relativ starken und ruhigen Kanada und Japan erweitert werden. Die globale Nachfrage nach Reisen wird auf lange Frist voraussichtlich nicht zurückgehen, da sich die Produktivität weltweit ununterbrochen seit zwei Jahrhunderten zusammen mit dem Lebensstandard im Wachstum befindet. Jedoch werden nur ein paar dieser Destinationen einen Nachfragezuwachs erleben, während einige einen Rückgang erleiden werden.

Die pandemiebedingten Risiken haben nach COVID … abgenommen

Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist die Wahrscheinlichkeit ähnlich starke Schäden durch zukünftige Pandemien zu erleiden durch COVID nicht gestiegen, sondern gesunken. COVID war ein sogenannter Schwarzer Schwan, hat aber gleichzeitig die Welt besser auf eine solche Pandemie vorbereitet und uns somit eine vermutlich unverzichtbare Lektion im allgemeinen Umgang mit Pandemien erteilt. Pandemien werden auch in Zukunft unumgänglich sein, aber da Regierungen und private Unternehmen diese nun in ihrem Risikomanagement mit einbeziehen, werden wir viel besser darauf reagieren können. Beim nächsten Mal werden die Massnahmen besser abgestimmt, mit mehr Entschlossenheit, schneller und effizienter durchgesetzt werden. Wir sind jetzt also resilienter gegenüber zukünftigen Pandemien und auch wenn die meisten Menschen das nicht realisieren, war die Welt bereits viel resilienter im Kampf gegen COVID als sie das noch vor über einem Jahrhundert im Kampf gegen die Spanische Grippe war. Hoteliers hingegen müssen sich stärker darauf fokussieren, wie sie in einer Welt nach COVID überleben, als darauf wie sie eine Pandemie verhindern können, die bereits am Abklingen ist.

 

Sozial distanzierte Sitzplätze für das Publikum sind eines der Attribute der nach der Krise erhöhten Widerstandsfähigkeit gegen Pandemien. Brendan McDermid / Reuters

Prinzipiell helfen Investoren, die der Hotelindustrie pessimistisch gegenüberstehen, den Optimisten. Die Panikverkäufe der ersteren werden den Optimisten helfen, Aktien von Hotels am Tiefpunkt zu kaufen, während die Pessimisten mit Käufen abwarten, bis die Kurse wieder hoch genug gestiegen sind. Dies wird die Kurse dann aber nur noch weiter antreiben und so mehr Profite für die Optimisten generieren. Die Pessimisten verringern somit ihr eigenes Gewinnpotential (indem sie “in der Mitte” oder “an der Spitze” kaufen).

Die finanzielle und ökonomische Situation

Die QE-Programme der 2010er und 2020er Jahre haben zu einer Flut von weit mehr Geld geführt als in Güter oder Dienstleistungen hätte umgewandelt werden können. Sobald die Investoren das realisieren, werden Aktien mit noch mehr Geld überflutet werden. Dies schafft eine Chance für diejenigen Unternehmen, die rasch skalieren können und über ein asset-light Geschäftsmodell verfügen.

Das Hotel der Zukunft: Wer wird von den Veränderungen profitieren?

 

Das Hotel, das auf die kommenden Trends ausgerichtet ist, sieht eher wie ein Zuhause als wie ein Hotel aus. Es ist zum Arbeiten, für Langzeitaufenthalte in Zusammenhang mit einem gesunden Lifestyle geeignet und verfügt sowohl über ein erweitertes Fitnessangebot als auch über offene Coworking-Räumlichkeiten. Zudem soll es auf nachhaltige Art und Weise gebaut worden und das Management selbst versiert im Thema des verantwortungsbewussten Konsums sein. Auch sollen die Wünsche der Gäste antizipiert werden. Sie sollen in jedem Aspekt ihres Aufenthaltes die richtige Unterstützung erhalten, sei es bei der Auswahl des besten Restaurants der Stadt, beim Einkaufen oder bei der Abholung nach dem Ausgehen.

Was den Standort und die Finanzierung betrifft, werden sich die meisten profitablen Hotelbetriebe in den sozial stabilsten und ökonomisch stärksten Ländern befinden, die wiederum von ähnlich stabilen und freundlich gesinnten Nachbarländern umgeben sind.

Unternehmen mit einem asset-light Geschäftsmodell, die rasch skalieren können, also z.B. in der Lage sind, typische städtische Gebäude zu erwerben und mit minimalem Renovationsaufwand in Hotels umzuwandeln, werden von diesen Entwicklungen profitieren.

Diese Erkenntnisse wurden von Le Bijous R&D Abteilung bereitgestellt und bilden die Basis für das Experimentieren des Unternehmens mit neuen Formen des Gastgewerbes, um zukünftige Veränderungen in der Branche zu antizipieren.

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