Die Technologie, auch „Tech“ genannt, gehört zweifelsohne zu unserem modernen Alltag, ob offensichtlich oder unterbewusst. Investitionen in Immobilien stellen da keine Ausnahme dar und die sogenannte „Proptech“ (aus dem Englischen für Property Technology) hat sich in praktisch allen Aspekten der damit zusammenhängenden Prozesse verankert.

Es dürfte kaum überraschen, dass der weltweite Proptech-Markt bis zum Jahr 2032 voraussichtlich ein Volumen von USD 102,4 Milliarden erreichen wird, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 16,30% entspricht. Die UBS-Studie 2022 zeigt, dass der Proptech-Sektor nichts von seiner Dynamik verloren hat und nach wie vor über die besten Wachstumsaussichten der Immobilienbranche verfügt. Er spielt gleichzeitig eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung.

Was sind die Gründe für dieses solide Wachstum? Lassen Sie uns den Sektor beleuchten.

Das Eintauchen in das Design

Beim Besuch von Immobilien-Websites erwarten wir Video-Rundgänge, bei denen wir uns jedes einzelne Objekt ansehen können, sowie interaktive Funktionen, um beispielsweise den Kamerawinkel zu ändern, unser Interesse auszudrücken oder Updates zu neuen Angeboten oder Preisänderungen zu erhalten.

All diese Funktionen werden in unterschiedlichem Ausmass durch Technologien wie beispielsweise der Augmented Reality (AR) ermöglicht. Auch wenn Sie kein Immobilieninvestor sind, dürften Ihnen einige Aspekte dieser Technologie durch die Nutzung von Home-Sharing-Plattformen wie Airbnb bereits bekannt sein.

Dies stellt jedoch nur den sichtbaren Teil des Anlageprozesses dar. Proptech hat noch wesentlich mehr beeinflusst. Zur Veranschaulichung kehren wir zur Anfangsphase zurück: dem Designprozess.

Seit Mitte der 1970er Jahre ermöglichen computergestützte Designprogramme (CAD) Architekten die Auswahl und Visualisierung der Schlüsselelemente, die sie sich für eine neue Wohnimmobilie wünschen. Dazu gehören die Lage, Grösse und Form des Grundstücks, die zu verwendenden Materialien, die Anzahl der Stockwerke, die Anzahl und die Art der Räume und Badezimmer sowie Gartenbereiche, Zufahrtswege und weitere ästhetische Details.

Diese Architektursoftware generiert ein dreidimensionales Bild des Hauses und ermöglicht es Architekten, in den Entwurf einzutauchen, Perspektiven zu wechseln oder mit „Was-wäre-wenn“-Änderungen zu experimentieren, um die effektivsten Lösungen zu finden. Architekten können sogar virtuelle Realität (VR) nutzen, indem sie ein Headset an ihre Computer anschliessen und jeden Aspekt ihrer Entwürfe in der virtuellen Welt erkunden, um Details wie die Position von Steckdosen und Deckenleuchten zu verfeinern.

Inzwischen können die wichtigsten Eigenschaften eines Gebäudes mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) definiert werden, um zukünftigen Trends bei den Vorlieben von Nutzern und Investoren für einen bestimmten Haustyp in einer bestimmten Gegend Rechnung zu tragen. Dies verspricht sowohl für Mieter als auch für Investoren einen enormen Nutzen.

Nachhaltigkeit und Proptech

In Grossbritannien ergab eine Umfrage aus dem Jahr 2022, dass 77% der Käufer für ihr nächstes Zuhause eher eine umweltfreundliche Immobilie in Betracht ziehen würden. Darüber hinaus erklärten in einer Umfrage von MRI Software aus dem Jahr 2023 unter 2’000 Mietern in den USA zwei Drittel der Befragten, dass für sie die Integration „umweltfreundlicher Praktiken“ in das Gebäude ein entscheidender Faktor bei der Wahl einer Mietwohnung war. Bemerkenswerterweise gaben 40% von ihnen ebenfalls an, dass sie ein Mietobjekt, bei dem solche Praktiken nicht angewandt werden, erst gar nicht in Betracht ziehen würden.

Unter diesen Gesichtspunkten dürfte die Schweiz mit ihren international bekannten sauberen Städten und unberührten Berglandschaften einen noch höheren Anteil an umweltbewussten Mietern und Käufern aufweisen.

Die Proptech spielt eine wichtige Rolle bei der Schaffung und Aufrechterhaltung von Nachhaltigkeit im Wohnungsbau. Vom Einsatz von CAD in der Designphase über die Geländekartierung mit Kameradrohnen bis hin zur Bauwerkskartenmodellierung (Bulding Information Modeling – BIM auf Englisch) für das Projektmanagement kann ein modernes Zuhause vom Fundament bis zum Dach nachhaltig gestaltet werden.

Sobald das Haus bewohnt ist, kann das „Internet der Dinge“ (IoT) genutzt werden, um Haushaltsgeräte und HVAC-Systeme auf energieeffizienteste Art und Weise zu verwenden. Diese und einige andere Funktionen sind Bestandteil der „Digital Concierge“-App, die von Le Bijou angeboten wird.

Die Nachhaltigkeit und die Technologie sind bei der Entwicklung, Investition und Verwaltung von Wohnimmobilien zu unverzichtbaren Partnern geworden. Nur noch wenige Interessenten suchen in Schaufenstern eines Immobilienvermittlers nach einem passenden Objekt oder fahren von Grundstück zu Grundstück. Durch die Online-Suche sparen Interessenten nicht nur Zeit, sondern auch Fahrtkosten und schonen zugleich die Umwelt.

Neue Standards und Vorteile

Schweizer Hauskäufer legen, ähnlich wie Käufer in anderen westlichen Ländern, zunehmend Wert auf Umweltfaktoren – aber das ist noch nicht alles. Es gibt auch einen starken finanziellen Anreiz für die Einführung umweltfreundlicher Praktiken bei der Planung, dem Bau und der Verwaltung von Immobilien.

Im Kanton und in der Stadt Zürich beispielsweise, die über eine der weltweit höchsten Dichten an nachhaltigen Gebäuden verfügen, sind umweltfreundliche Wohnungen und Häuser mit einem deutlichen Mehrpreis verbunden. Dieser reicht schätzungsweise von einigen Prozentpunkten bis zu beeindruckenden 26% bei Verkäufen und 21% bei Mieten.

Preisaufschlag bei Verkauf und Miete für umweltfreundliche Gebäude in Zürich
Quelle: ResearchGate

Der erhebliche finanzielle Vorteil von umweltfreundlichen Praktiken hat verschiedene Schweizer Organisationen dazu veranlasst, Bewertungen und Standards für die Richtigkeit der umweltbezogenen Angaben von Immobilienentwicklern und -vermittlern zu formulieren.

Die drei wichtigsten Organisationen, die mit dieser Aufgabe betraut sind, sind die privaten Unternehmen Minergie und GEAK sowie der staatlich unterstützte Swiss Sustainable Construction Standard (SNBS). Bauträger, Investoren und Hausbesitzer können ein Gutachten bei einer oder sogar allen dieser Organisationen in Auftrag geben und so sicherstellen, dass sich ihr Engagement für Nachhaltigkeit in greifbaren Kapital- und Ertragsrenditen niederschlägt.

Darüber hinaus erstreckt sich dieser finanzielle Nutzen aus Proptech-getriebener Nachhaltigkeit auch auf die Finanzierung von Immobilien. Mit einer dieser Zertifizierungen qualifiziert sich Ihre geplante Investition mit grosser Wahrscheinlichkeit für eine grüne Hypothek mit einem vergünstigten Zinssatz.

Smart Contracts

In naher Zukunft wird sich ein weiterer finanzieller Nutzen aus der Implementierung von Smart Contracts für den Handel mit Vermögenswerten ergeben. Dabei handelt es sich um papierlose Online-Verträge über die Blockchain.

Die Abwicklung dauert nur wenige Stunden, statt Tage oder sogar Wochen und es fallen wesentlich geringere Gebühren an als bei einem herkömmlichen Papiervertrag. Der Grund dafür ist, dass die Blockchain alle Details zu Eigentumstiteln und früheren Eigentümern speichert, wodurch die teuren und zeitaufwändigen Prozesse der Überprüfung von Eigentumsdokumenten und der Beglaubigung unnötig werden. Darüber hinaus kann der Vertrag die automatische Erhebung von Strafgebühren vorsehen, wenn eine der Parteien gegen die Vertragsbedingungen verstösst.

Smart Contracts ermöglichen auch die Tokenisierung von Immobilienvermögen, wobei das Eigentum in kleinere Bruchstücke aufgeteilt wird. So erhalten auch diejenigen, die sich ein ganzes Gebäude nicht leisten können oder wollen, durch den Kauf von Token, die einen Teil des Eigentums repräsentieren, Zugang zu den Vorteilen von Investitionen in Wohnimmobilien.

Im Jahr 2022 beliefen sich Smart Contracts auf bescheidene USD 1,75 Milliarden, wobei sich, wenn überhaupt, nur wenige speziell auf Immobilientransaktionen bezogen. Allerdings wird erwartet, dass ihre Nutzung bis 2030 mit einem erwarteten weltweiten Gesamtvolumen von über USD 9,85 Milliarden drastisch ansteigen wird. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von rund 24% und es ist wahrscheinlich, dass Immobilien einen wesentlichen Beitrag dazu leisten werden.

Die Schweiz kann den Weg weisen

Die Schweiz hat gute Voraussetzungen, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Im August 2021 wurde mit dem Bundesgesetz zur Anpassung des Bundesrechts an die Entwicklungen der Distributed-Ledger-Technologie (kurz DLT-Gesetz) ein rechtlicher Rahmen für den Handel von in der Schweiz kotierten Wertpapieren auf der Blockchain geschaffen. Dies bildete die wesentliche Grundlage für die Erstellung von Smart Contracts und Tokens.

Obwohl das aktuelle Gesetz materielle Vermögenswerte wie Immobilien nicht abdeckt, wird dies aller Wahrscheinlichkeit der Fall sein, sobald die Schweizer Immobilienregister vollständig digitalisiert sind und dadurch eine nahtlose Integration in die Blockchain ermöglichen. In 22 der 26 Kantone des Landes ist dieser Prozess bereits abgeschlossen.

In der Schweiz ist die Aufteilung von Immobilieninvestitionen bereits möglich, allerdings nur durch den Kauf von Anteilen an einer Gesellschaft (der sogenannten „partizipativen Beteiligung“), die für den Besitz einer bestimmten Immobilie gegründet wurde, oder durch Miteigentum an einem Gebäude. Diese Methoden sind natürlich papierbasiert und haben rein gar nichts mit moderner Proptech zu tun.

Fazit

Proptech ist kein neues Phänomen. Wie bei vielen anderen Technologien reichen die Wurzeln fast bis zu den ersten Computern zurück, mit denen sie entwickelt wurden. Wir befinden uns aktuell in einer Übergangsphase und warten auf die Erfüllung prägender Voraussetzungen wie digitale Grundbücher und natürlich auf die Verabschiedung der notwendigen Gesetze und Vorschriften, um den nächsten Schritt gehen zu können.

Diese Fortschritte werden Investoren aller Art und in jedem Land über ihr Smartphone den schnellen, weltweiten Zugang zu verschiedenen Arten von Immobilieninvestitionen ermöglichen – und das mit den höchstmöglichen Standards an Benutzerfreundlichkeit, Transparenz und Sicherheit.

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